Betreff: Leserbrief zum Artikel „Erneut Nazi-Holzkonstruktion aufgestellt“ vom 14. April 2026
Sehr geehrte Redaktion,
mit großem Entsetzen und Fassungslosigkeit haben wir, die Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse der Mittelschule Wurmannsquick, die Berichterstattung über die Nazi-Holzkonstruktionen vor dem Finanzamt in Eggenfelden verfolgt. Dass innerhalb kurzer Zeit erst ein Torbogen und nun ein schwarz gestrichener Kamin mit Hakenkreuzen aufgestellt wurden, macht uns wütend und traurig zugleich.
Wir finden diese Taten zutiefst menschenverachtend. Wer so etwas tut, hat offensichtlich aus der Geschichte nichts gelernt. Diese Konstruktionen sind keine dummen Streiche, sondern eine grausame Verhöhnung der Millionen unschuldigen Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Der Kamin erinnert auf erschreckende Weise an die Verbrennungsöfen in den Konzentrationslagern, in denen Familien auseinandergerissen und unzählige jüdische Mitbürger sowie Kinder ihr Leben ließen.
Dass diese Symbole des Hasses ausgerechnet auf einem Behindertenparkplatz aufgestellt wurden, macht die Tat noch schlimmer. In der dunklen Zeit des Zweiten Weltkriegs wurden Menschen mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen als „lebensunwert“ abgestempelt und systematisch ermordet. Das Aufstellen an genau diesem Ort ist ein gezielter Angriff und eine massive Beleidigung gegenüber Menschen, die heute mit einer Behinderung leben.
Wir leben heute zum Glück in einem demokratischen Land, in dem jeder seine Meinung frei äußern darf – zum Beispiel in einem Leserbrief. Aber das Verbreiten von rechtsextremem Gedankengut und Hakenkreuzen hat nichts mit freier Meinungsäußerung zu tun; es ist eine Straftat, die bei Überlebenden oder deren Angehörigen alte Traumata auslösen und Angst verbreiten kann.
Wir dürfen als Gesellschaft bei solchen Taten nicht wegschauen oder schweigen. Nur wenn wir offen sagen, dass wir so etwas nicht dulden, können solche Aktionen gestoppt werden. Wir hoffen sehr, dass die Täter schnellstmöglich gefasst und bestraft werden. Wir alle müssen aus der Vergangenheit lernen und respektvoll miteinander umgehen, damit sich eine so schlimme Zeit niemals wiederholt.
Mit freundlichen Grüßen
Die Klasse 8 der Mittelschule Wurmannsquick

