GERN/WURMANNSQUICK. „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ – Sätze wie dieser markieren oft den Beginn einer gefährlichen Entwicklung. Dass Sprache niemals neutral ist und Worte den Weg für Taten bereiten können, stand am Montag, den 1. Dezember 2025, im Mittelpunkt eines besonderen Unterrichtsgangs. Die 7. und 8. Jahrgangsstufe der Mittelschule Wurmannsquick besuchte die Wanderausstellung „Antisemitismus in Bayern – Judenhass heute“ der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) im Pfarrheim Hofmark Gern.
Organisiert wird die Ausstellung vom Kreisjugendring (KJR) Rottal-Inn in enger Zusammenarbeit mit dem Kirchlichen Jugendbüro Pfarrkirchen. Ihr gemeinsames Ziel: jungen Menschen einen Zugang zu einem Thema zu verschaffen, das bedauerlicherweise wieder von trauriger Aktualität ist.
Der schleichende Prozess der Ausgrenzung
Im Pfarrheim setzten sich die Schülerinnen und Schüler intensiv mit den Mechanismen des Judenhasses auseinander – sowohl in der geschichtlichen Rückschau als auch in der Gegenwart. Ein zentraler Aspekt der Ausstellung und der Diskussionen war die Erkenntnis, dass Diskriminierung nicht erst mit körperlicher Gewalt beginnt. „Es fing auch damals mit der Ausgrenzung von ‚denen‘ an“, so eine der Kernbotschaften des Vormittags.
Die Jugendlichen lernten, wie sich eine spaltende Sprache – das „Wir“ gegen „Die“ – schleichend in die Gesellschaft integriert hat, sowohl im privaten Umfeld als auch auf der politischen Bühne. Ziel des Besuchs war es, den Blick der Schüler dafür zu schärfen, wo genau diese Ausgrenzung ihren Anfang nimmt: bei vermeintlich harmlosen Witzen, bei Vorurteilen in der Sprache und schließlich in konkreten Taten.
Reflexion im Klassenzimmer
Dass der Besuch in Gern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, zeigte sich im Anschluss an den „gewinnbringenden Vormittag“, wie es vonseiten der Schule hieß. Zurück in Wurmannsquick wurden die Inhalte im Unterricht gemeinsam reflektiert, Gesehenes eingeordnet und offene Fragen der Jugendlichen geklärt. Der Termin diente so nicht nur der Geschichtsvermittlung, sondern vor allem der Demokratiebildung und Zivilcourage im Hier und Jetzt.
Hinweis für die Bevölkerung
Die Ausstellung ist nicht nur für Schulklassen zugänglich. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, hat noch bis zum 12. Dezember 2025 die Gelegenheit dazu. Die Exponate sind im Pfarrheim Hofmark Gern zu den dortigen Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.

